Thema & Planung

Rechercheprotokoll: Suchwege nachvollziehbar dokumentieren

Halte Datenbank, Plattform, Suchstring, Filter, Datum und Auswahlentscheidungen so fest, dass du deine Suche später erklären kannst.

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Auf deine Arbeit anwenden

Dein konkreter Arbeitsweg

Am Ende hast du: Prüfbares Rechercheprotokoll ohne überschriebenen Verlauf.

Arbeitsablauf: 1. Suchlauf erfassen: Wiederholbarer Suchlauf. 2. Auswahl begründen: Nachvollziehbarer Weg von Treffern zur Auswahl. 3. Aktualisierung kennzeichnen: Prüfbares Rechercheprotokoll ohne überschriebenen Verlauf.
Eigene schematische Arbeitshilfe: Suchlauf erfassen → Auswahl begründen → Aktualisierung kennzeichnen. Die Schritte werden unten erläutert; keine empirischen Ergebnisse.
  1. Suchlauf erfassen

    Speichere Datenbank und Anbieter, Datum, vollständige Suchsyntax und gesetzte Filter.

    Prüfbarer Zwischenstand: Wiederholbarer Suchlauf.

  2. Auswahl begründen

    Dokumentiere relevante Ein- und Ausschlussentscheidungen und unterscheide Trefferzahl von aufgenommenen Quellen.

    Prüfbarer Zwischenstand: Nachvollziehbarer Weg von Treffern zur Auswahl.

  3. Aktualisierung kennzeichnen

    Vergib bei jeder angepassten Suche eine neue Version und erkläre den Anlass der Änderung.

    Prüfbarer Zwischenstand: Prüfbares Rechercheprotokoll ohne überschriebenen Verlauf.

Recherchefragen für Literaturlücken entwickeln

1. Suchprotokoll und Literaturliste auseinanderhalten

Eine Literaturliste zeigt, welche Publikationen du gesammelt hast. Sie erklärt noch nicht, wie diese Auswahl zustande gekommen ist. Ein Rechercheprotokoll ergänzt genau diese Perspektive: Wo hast du gesucht, mit welcher Anfrage, unter welchen Einschränkungen und zu welchem Zeitpunkt? Beginne damit bei der ersten gezielten Suche, nicht erst beim Schreiben des Methodenkapitels. Nachträglich rekonstruierte Suchwege enthalten leicht Lücken, die auch eine lange Quellenliste nicht schließen kann.

PRISMA-S ist eine Berichtsleitlinie für Suchstrategien in systematischen Evidenzsynthesen. Sie macht unter anderem Datenbanken und Plattformen, ausgeführte Suchstrategien, Einschränkungen, Suchdaten und Dublettenbehandlung sichtbar. Eine gewöhnliche Seminararbeit wird durch ein Suchprotokoll nicht automatisch zum systematischen Review. Du kannst die Transparenzidee jedoch passend nutzen und mit der Betreuung vereinbaren, welche Angaben dein tatsächliches Vorgehen beschreiben müssen. Versprich keine Vollständigkeit, die deine Suche nicht leisten kann.

Weiterführend: Rethlefsen et al. (2021): PRISMA-S, Originalpublikation mit Erläuterungen

2. Jeden Suchlauf als eigene Zeile erfassen

Vergib für jeden relevanten Suchlauf eine kurze Kennung. Erfasse Datenbank und Zugangsplattform getrennt, soweit diese Unterscheidung zutrifft. Ergänze den vollständig ausgeführten Suchstring einschließlich Feldbezeichnungen, Klammern und Operatoren. Speichere nicht nur eine ungefähre Zusammenfassung deiner Begriffe. Dieselben Wörter können bei einer Titelsuche andere Treffer liefern als bei einer Volltextsuche. Auch Filter und ihre Begründung gehören dazu, beispielsweise ein Zeitraum, der aus deiner Forschungsfrage folgt.

Die folgende Tabelle ist eine eigene, leere Arbeitsvorlage. Trage ausschließlich tatsächlich beobachtete Angaben ein. Ein Suchlauf mit null passenden Treffern darf im Protokoll bleiben: Er erklärt eine spätere Änderung. Dokumentiere neben der angezeigten Trefferzahl auch, welche Datensätze du exportiert hast. Je nach Datenbank können Trefferanzeigen und exportierbare Mengen voneinander abweichen. Bezeichne diese Größen deshalb eindeutig und addiere sie nicht ungeprüft zu einer vermeintlichen Gesamtzahl einschlägiger Studien.

FeldEinzutragende Information
Kennung und DatumEigene Lauf-ID und tatsächliches Suchdatum
Datenbank / PlattformKonkrete Namen und verwendeter Zugang
SuchanfrageExakter ausgeführter String mit Suchfeldern
EinschränkungenFilter und fachliche Begründung
ErgebnisAngezeigte Treffer, Exportumfang und Dateiname

3. Änderungen sichtbar lassen statt alte Suchwege überschreiben

Wenn du einen Begriff ergänzt oder einen Filter entfernst, lege einen neuen Eintrag an und verweise auf den vorherigen Suchlauf. Notiere den Anlass: Ein relevantes Ausgangsdokument verwendet einen anderen Fachbegriff; ein Zeitraum schließt eine wichtige Entwicklung aus; ein zu breiter Begriff produziert überwiegend fachfremde Treffer. So wird aus Versuch und Irrtum ein erklärbarer Rechercheprozess. Alte Einträge werden nicht nachträglich passend gemacht, nur weil die neue Suche überzeugender wirkt.

Die Ebling Library der University of Wisconsin-Madison empfiehlt, Suchstrategien zu organisieren und zu speichern, damit spätere Recherchen daran anschließen können. Sichere für dein Projekt zusätzlich die exportierten Literaturdaten unter verständlichen Dateinamen. Ein gespeicherter Suchstring garantiert allerdings keine identische spätere Trefferzahl: Datenbanken verändern sich. Halte bei einer Aktualisierung deshalb erneut Datum, Anfrage und Ergebnis fest. Eine Abweichung ist zunächst ein Dokumentationspunkt, nicht automatisch ein Fehler deiner ursprünglichen Suche.

Weiterführend: University of Wisconsin-Madison, Ebling Library: Searching the Literature

4. Auswahl und Dubletten getrennt nachweisen

Nach dem Export folgen andere Entscheidungen als während der Suche. Ein mehrfach gefundener Datensatz ist eine Dublette; eine inhaltlich unpassende Studie wird wegen eines Auswahlkriteriums ausgeschlossen. Vermische diese Gründe nicht. Bewahre eine Kopie des ursprünglichen Exports und dokumentiere, wie du Mehrfachtreffer zusammengeführt hast. Prüfe dabei Titel, Autorenschaft und Publikationsversion: Ähnliche Titel können unterschiedliche Arbeiten bezeichnen, während leicht abweichende Metadaten zur selben Veröffentlichung gehören können.

In einem fiktiven Projekt über digitale Einarbeitung passt eine Studie über Schulunterricht trotz ähnlicher Technikbegriffe nicht zur Zielgruppe. Der Ausschlussgrund lautet dann Zielgruppe, nicht „schlechte Quelle“. Ein anderer Artikel kann thematisch passen, aber keinen erreichbaren Volltext haben; das ist ein anderer Status. Lege wenige nachvollziehbare Auswahlgründe fest und verwende sie konsistent. Du musst keine Scheingenauigkeit erzeugen, solltest aber wichtige Entscheidungen später aus deinen Unterlagen erklären können.

5. Aus dem Protokoll einen ehrlichen Recherchebericht schreiben

Verfasse zum Abschluss eine kurze Beschreibung des tatsächlichen Suchwegs. Nenne die wichtigsten Informationsquellen, den Suchzeitraum, die fachlichen Einschränkungen und die Auswahlweise. Verweise auf ausführliche Suchstrings im Anhang, wenn deine Hochschule das vorsieht. Trenne eine explorative Orientierung von einer vorab festgelegten systematischen Suche. Eine Formulierung wie „ausgewählte Literatur wurde recherchiert“ ist weniger anspruchsvoll, aber ehrlicher als eine unbelegte Behauptung, sämtliche relevante Forschung erfasst zu haben.

Nutze das Abschlusswerk-Tool für Literaturlücken, um mögliche Recherchefragen zu sammeln; behandle seine Hinweise nicht als Nachweis einer tatsächlich vorhandenen Forschungslücke. Das Protokoll führt nur deine realen Suchläufe und gelesenen Dokumente. Prüfe vor dem Schreiben, ob jede zentrale Auswahlentscheidung auf einen Eintrag zurückführt und ob du die Suchdateien wiederfindest. Unklare Stellen bearbeitest du gezielt nach, statt am Ende pauschal eine besonders große Trefferzahl als Qualitätsargument anzuführen.

Zum Gegenprüfen

So unterstützt dich das passende Tool

Vorbereiten
Bereite Frage, bisherige Suchbegriffe und eine nachvollziehbare Übersicht bereits gelesener Literatur vor.
Ergebnis weiterverwenden
Behandle Hinweise als Suchansätze und prüfe mögliche Lücken in aktuellen Fachdatenbanken.
Grenze der Unterstützung
Eine KI-Einschätzung belegt keine vollständige Recherche und keine tatsächlich neue Forschungslücke.

Dein nächster Schritt

Gehe die Prüfpunkte oben für deine eigene Arbeit durch.

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